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In der Haut eines Marseillers: Wochenende mit Pastis und Pétanque

Marseille, ihre Kultur, ihre Geschichte und ihre malerischen Stadtviertel. Pagnol hat uns so treffend davon erzählt. Die glanzvollen Sehenswürdigkeiten und die unvergleichliche feine Lebensart der Stadt der Phokaier sind weltweit ein Begriff: sonnige Terrassen, Boules-Turniere und Erfrischungsgetränke mit Anis sind zwangsläufig mit dabei!

Mit „geschlossenen Füßen“ in La Ciotat fing alles an

Seit über einhundert Jahren wird Pétanque gespielt

Dieses bei vielen so beliebte Spiel muss natürlich irgendwo entstanden sein, und tatsächlich stammt es aus La Ciotat, einem Städtchen an der Mittelmeerküste östlich von Marseille. Die Geschichte des Spiels wird im Museum von La Ciotat erzählt. Beim damaligen Boulespiel „La Longue“ musste ein Spieler des 3er-Teams beim Werfen der Kugel auf einem Bein stehenbleiben. Hughes, ein alter Freund des Spieleigentümers, war jedoch nicht in der Lage, auf einem Bein zu stehen! So schlug Ernest Pitiot ihm vor, mit geschlossenen Füßen („pieds tanqués“) in einem Kreis in wenigen Metern Entfernung von der Zielkugel zu bleiben – die Fortsetzung kennen Sie ja. 1910 fand das erste Turnier statt. Es führte die neuen Regeln dieses Spiels mit geschlossenen Füßen – auf Provenzalisch „ped tanca“ – offiziell ein und war damit die Geburtsstunde des Pétanque!

13 Punkte für den Turniersieg

Unsere besten Adressen zum Üben!

Man wird nicht als Schießer oder Leger geboren, sondern man wird es durch fleißiges Üben! Auf der Place de la Major neben der berühmten Kathedrale trainieren die Spieler auf einem Pétanque-Platz mit Blick auf die Reede von Marseille ganz in der Nähe des Stadtteils Le Panier. In Richtung Pointe Rouge spielen die Dreierteams mit Meerblick. Da der Platz nachts beleuchtet ist, sind auch Partien am Abend nach Sonnenuntergang möglich. Wer auf eine besondere Stimmung Wert legt, für den ist der Cours Julien DER absolute Bezugspunkt: Neulinge und alte Hasen versammeln sich auf der Place Carli zum Spielvergnügen und erfüllen den Platz mit ihrem südlichen Akzent, der in allen Gesprächen zu hören ist. Im Schutz der Basilika, der „Bonne Mère“, bieten zwei angenehm schattige Bouleplätze den perfekten Rahmen zum Spiel an einem der bei den Marseillern beliebtesten Orte der Stadt.

Schießen, legen … anstoßen!

In Marseille sind sogar die Kugeln blau

Das Musée de la Boule in Marseille konnte nirgendwo anders eingerichtet werden als im symbolträchtigen Stadtteil Le Panier. Seit 2015 können Sie diesen Tempel des Boulespiels kostenlos besuchen und seinen kleinen Museumsshop auf der Suche nach einem Andenken durchstöbern: das berühmte blaue Kugel-Dreierset oder eine kleine Zielkugel – je nachdem, wie viel Platz Sie im Koffer haben! Die Verkäufer sind hier mit Leidenschaft bei der Sache. Fragen Sie sie ganz einfach, und sie werden Ihnen gerne von ihrer Tradition erzählen, die ihnen so sehr am Herzen liegt. Wenn Sie nach oben schauen, werden Sie feststellen, dass die gesamte Decke aus Zielkugeln besteht! Aber achten Sie darauf, wo Sie hintreten, denn im Shop gibt es auch einen kleinen Bouleplatz!

 

Kleiner Gelber, Pastaga – der Pastis ist eine Kunst für sich

Am Pastis, dem „kleinen Gelben“, wie er von den Marseillern genannt wird, führt bei den Aperitifs des Südens kein Weg vorbei. Diese Spirituose aus Anis wurde in den 1920er Jahren von Paul Ricard eingeführt und hatte sofort durchschlagenden Erfolg. Bereits zu Beginn der 1940er Jahre war der „Pastaga“ der absolute Partykönig und das beliebteste Getränk Frankreichs! Werfen Sie einen Blick in das Maison du Pastis am Alten Hafen von Marseille, wo Sie erfahren, dass es nicht nur einen, sondern über 95 verschiedene Anis- und Kräuterliköre gibt. Wie serviert man einen Pastis richtig? Das kann man lernen – wir verraten Ihnen das Geheimnis für einen Pastis nach den Regeln der Kunst: in ein Nosing-Glas füllen Sie 2 cl Pastis, dann 10 cl frisches Wasser, und zuletzt geben Sie die Eiswürfel hinzu. Jetzt brauchen Sie ihn nur noch zu genießen – natürlich in Maßen!